Mara Schindler
Autorin

Debüt


Der Mensch wird herangeführt an die Liebe. Schon im Mutterleib empfängt er Impulse, manches Kind gar badet darin, davon kosten dürfen die meisten. Und wenn dann das Alter naht, wo die Liebe mit aller Macht nach Entfaltung drängt, taumelt er, wird trunken, benommen, verirrt sich, manchmal für Jahre, und taucht doch wieder auf, gebrochen, vielleicht, geläutert. Wer aber, wie Susa, zeitlebens von der Liebe nicht mehr wusste als eine Ahnung ihm in stillen Stunden zugeflüstert hat ... Wer alle Zuneigung, die ihm zuteil wurde, einem Hund verdankt ... Für den wird die Liebe, hat er sie erst einmal erfahren, zur lebenslangen Sucht. Zur Sucht, sich zu sehnen. Zur Sucht, zu berühren, berührt zu werden, sich aufzulösen über die eigenen Grenzen hinweg und wiederzufinden in der Seele des Andern. Ganz und gar. Ausschließlich. Und wer, wie Susa, eine Großmutter hat, die an der gleichen Krankheit litt, dem steht wohl kein glückliches Ende bevor. Und was für ein Leben?
       
    
 
In meiner Debüterzählung "Susa" vereinen sich (von 2006 bis 2010 verfasste) Prosatexte, die allesamt die Zerrissenheit eines Ichs zum Thema haben, das sich im Kosmos der Liebe verliert, weil es in sich selbst keinen Halt findet. Susa wird zur Sklavin ihrer Sehnsucht. Sie begegnet Menschen, die ihre existenzielle Not erkennen und für ihre eigenen Zwecke nutzen, doch ohne ihr eine Hand zu reichen. So treibt Susa durch ein Leben, das nicht ihr gehört; sie wird begehrt und verlassen, beobachtet und verspottet. Allein das Wissen um ihre totgeglaubte Großmutter lässt sie weitergehen. Auch verfasst sie immer wieder kleine Gedichte, in denen sie sich selbst reflektiert und etwas findet, das nur ihr gehört, eine Kraft, die nicht zerstörbar ist und die, wird sie erst einmal gehütet, genährt, den Weg ins eigene Ich bahnen kann.
 
es war der tag an dem kirschblütenblätter fielen dem blauen himmel entgegengesetzt das grün eines erwartungsvollen lebens ich saß am fenster während die blüten zum himmel stiegen und sah dem augenblick in sein stilles gesicht dankte der amsel dass sie sang

Erzählt wird Susas Odyssee in neun Kapiteln, wobei das erste Kapitel beinahe die Hälfte des Buches einnimmt und Susas Kindheit und frühe Jugend behandelt. Die Kapitel 2-8 erzählen aus Sicht der jeweiligen Figuren, in deren Leben Susa Spuren hinterlassen hat. Das letzte Kapitel schließt den Kreis und wendet sich wieder der Protagonistin zu, die vor dem Schritt in ein selbstbestimmtes Leben steht und begreift, dass es ganz allein an ihr liegt, an ihrer Entscheidung, an ihrer Willenskraft.

Sie hätte es geschafft, wenn ein heller Streifen im Osten den neuen Tag ankündigen und sie ihn aus schmalen, unverklebten Augen begrüßen würde.

Im April 2013 erschien "Susa" im Worthandel Verlag Dresden. Es wurden eine Taschenbuchausgabe und eine Ebookausgabe angeboten. Beides ist nicht mehr verfügbar. Was bedeutet das, und warum wurde die Autorin nicht informiert? Der zuständige Verleger hüllt sich seit 2014 professionell in Schweigen, sodass man nur spekulieren kann. Die Autorin gibt sich damit nicht zufrieden und arbeitet daran, ihre Erzählung recht bald an einem anderen Ort verlegt zu sehen.