Mara Schindler
Autorin

die kondorvilla. ein werkraum


¦kirschblütenblätter¦

ich stellte mir 
die anwesenheit eines menschen vor,
der mich brauchte.
zu dem sprach ich.

¦der raum der spötter¦

fensterlos,
er ähnelt einem käfig.
ein pumaweibchen
dreht manisch seine runden.
die gaffer traktieren es
mit stöcken.

¦das hohe gericht¦

unbestechlich.
herrlich immun
gegen grinsefressen.

¦der tapfere krieger¦

unsterblich,
weil er ein kind ist.

¦eine frau¦

sanft und unerbittlich
zugleich.
wacht über das kind,
begleitet seinen weg.

¦der 7-uhr-gong¦

zerstückelt den tag und
drangsaliert die menschen.



~*~

wildfang

und s e i n können
das war bei ihm eben
l a u f e n können
und waren sie nicht
in der ebene?
eine ebene
die erst das gebirge
begrenzte und eine
untergehende sonne
im westen

~*~

DAS GEZUCKERTE WORT

EINE LEBENSWIRKLICHKEIT
DIE ES SICH LEISTEN KANN
'POLITICAL CORRECTNESS'
ZU ZELEBRIEREN
DAS GEZUCKERTE WORT
ÜBER EIN ERLEBEN ZU STELLEN
DAS - ZUM GLÜCK! - NICHT UNMITTELBAR IST:
GIBT KEINEN HUNGER
KEIN TRAUMA
KEINE GEWALT
UND SEINE MÖGLICHKEIT
IN JEDER SEKUNDE

~*~

aus einem traum

ich spazierte durch ein
helles, hügeliges land
und fand ein haus
mit stillen, lächelnden menschen.
sie boten mir tee an und kekse.
zwei freundliche katzen waren dort,
sie wichen mir nicht von der seite.

~*~

geheimnisse

man sieht den menschen
ihr inneres nicht an
den fröhlichsten bildern
geht oft ein grauen
voraus

kunst

die lebendige brücke
eine tat ohne
lüge

tanz

ist nicht
perfektion ist
freude an der
bewegung

nacht

der moment
ohne netz der
kein ende nimmt

KUNST IST TANZ MIT DER NACHT

~*~

einkaufsliste

haferflocken
für die türkentauben
die heute ans fenster
klopften

gastfreundschaft II

ein lächeln &
eine tat für denjenigen
der darum bittet

die kinder der großen eule 

sascha kannte das gebot der gastfreundschaft. die weise frau hatte es ihnen ans herz gelegt wie kein zweites: wer einen wanderer abwies, den bestrafte das leben.

~*~

eintauchliste (sommer I)

1. neue seen sammeln
a. bei morgenlicht
b. bei abendlicht
2. schlafwettbewerb gewinnen
3. kirschesswettbewerb gewinnen
4. geheime lieblingsorte besuchen
5. nestbau von türkentaube im blumenkasten überwachen
6. punkt 4 mit lieblingsfreundin & ihren kindern
7. nichte ärgern
8. tyrannus müs erziehen

~*~

¦FRAU AM PRANGER (WIR MACHEN NUR SPAß)¦

WIE OFT
WURDEST DU VERGEWALTIGT
VON WEM
UND WIE LANGE
JETZT WO DU SCHON
DRÜBER ZU REDEN
BEGINNST

¦HERO NO. ONE (HARLEKINS SCHACHZUG)¦

WENN ES IHM GELINGT
ZU DEINEM ALBTRAUM
ZU WERDEN KANN
NUR ER DICH ERLÖSEN

¦PSYCHOLOGISCHE KRIEGSFÜHRUNG¦

EIN MITMACHSPAß
FÜR DIE GANZE FAMILIE
KINDER WAS HABEN WIR
GELACHT

¦SCHULD UND SÜHNE¦

WARUM HAST DU AUCH
BRÜSTE

¦DREAMTEAM (VORBILDFUNKTION I)¦

ICH WÄR SO GERNE
DEIN LAKAI
DANN HÄTT ICH ZEIT
FÜR DUSSELEI

¦PRIVILEGIEN (VORBILDFUNKTION II)¦

JA DU DARFST
RASSISMUS SPIELEN SEXISMUS
UND DIR GENÜSSLICH DIE LIPPEN LECKEN
DABEI DIR IN DEN SCHRITT FASSEN UND
LISTEN ERSTELLEN VON GUT UND VON BÖSE
VON SIEGERN / VERLIERERN
VON OBEN UND UNTEN
ZWISCHEN DEM VEGANEN MÜSLI AM MORGEN
UND DER TOFUBRATWURST AM ABEND
BEVOR DU MIT SCHNAUZER UND SCHICKER
BEGLEITUNG UNSCHLAGBAR FRECH
UND EIN BISSCHEN ZERZAUST
AUF DEM ROTEN TEPPICH
ERSCHEINST

¦FRAGE-ANTWORT-SPIEL (WIR MACHEN NUR SPAß)¦

WER WÄRST DU
BRUDER 
OHNE DEINE CONNECTIONS 
OHNE DEINE AUFTRAGGEBER UND
IHRE DRÄHTE ZUR DEUTSCHEN
FILMFÖRDERUNG 
WER WÄRST DU
SCHWESTER
OHNE DIE VERTRÄGE
DIE DU UNTERSCHRIEBEN HAST
UND DIE EINE RÜCKKEHR VERHINDERN
ZU DEM WAS MAL AUTHENTISCH
GEWESEN IST BERÜHREND UND
VIELVERSPRECHEND

¦MASSENEREKTION I¦

FÜR EUCH SIND
WUNDEN MÖSEN
DIE IHR FICKEN
MÜSST

¦DIE NEUE HEIMLICHKEIT (MASSENEREKTION II)¦

WEIBLICH
ALLEINSTEHEND
TRAUMATISIERT
GLÄSERN

¦UNTERLASSENE HILFELEISTUNG (UNVOLLENDET)¦

MÄDEL DU LEIDEST
SO SCHÖN
ES IST EINE WONNE
DIR ZUZUSEHN

~*~




~*~

postcard

nahm ich dich mit
an den süßwassersee
den wir so mühelos
durchpflügten
wie junge seehunde

~*~

das versprechen

solche dinge
geschehen wenn ich mich
hineinfallen lasse ins fieber
u darauf vertraue
dass ein regen
kommt

heul doch

nichts
von alledem macht
spaß ist nur aufschrei
gegen die ohnmacht
der immerhin erleichtert
das atmen

§ 15 stgb

kalt u berechnend
schriebst du das drehbuch
rolle des peinigers
hydra in clownsgestalt
armee des schreckens
gegen ein einzelnes kind
im 5. akt schließlich zeigt 
sich der traumprinz:
empfindsam
geläutert u gut

verwandtschaften

ich glaub nicht, dass hass
der bruder von liebe ist.
hass ist mit der ohnmacht
verheiratet und traut sich nicht,
die scheidung einzureichen.

die schwester von liebe
heißt tat.

~*~

fundstücke

bin zurückgekehrt in die
heimische bibliothek.
habe wie immer nicht gefunden,
wonach ich suchte.
dafür jedoch einen fährmann
getroffen u neue geheime musik.

~*~

die alte leier

gibt leute die glauben
sie könnten aus demütigung
wertschätzung aus gewalt
zärtlichkeit aus missbrauch
vertrauen und aus toten
lebende machen indem
sie dir ein haus
kaufen

~*~

kinder der sehnsucht



~*~



aktiv & passiv

nur in der
bewegung wird mir
erzählt

~*~

der (t)raum des menschen 

die würde des menschen ist gebunden an seine handlungsfähigkeit. diese befindet sich im raum seiner persönlichen möglichkeit. die größe dieses raums ist unerheblich. sein vorhandensein hingegen zwingend notwendig,  ja, unentbehrlich, denn in diesem raum wohnt die freiheit des menschen, das ist die entfaltung seines natürlichen wachstumsbedürfnisses. während der raum der einen die größe eines fußballfeldes hat, das für den eigenbedarf bestellt oder bespielt wird und sich immer weiter ausdehnen muss, um das gefühl von freiheit = wachstum zu simulieren, genügt den anderen ein raum von der größe eines samenkorns. die wände dieses raums umschließen und schützen es, erlauben keimung und wachstum nach oben. ein mensch ohne raum hingegen verliert mit seiner handlungsfähigkeit auch jede möglichkeit und damit - alles. das ist die ungerechtigkeit unserer welt, sind es doch die 'großraumbesitzer', die über eine macht verfügen, die sie gar nicht haben dürften, nämlich anderen menschen ihren raum zu nehmen. und damit ihre würde.

ich träume, also bin ich

bleibt man beim bild des 'großraumbesitzers', der in die breite geht und nur aus dieser perspektive heraus handelt, erkennt man klar sein defizit: die einseitige betrachtung einer (d.h. seiner) welt, in der es nur um quantität geht. tiefere einsichten sind unerwünscht, höhere ebenso. den 'kleinraumbesitzer' hingegen locken höhe und tiefe, das ideelle, eine ausdehnung nicht seiner fläche, sondern seiner perspektive. ihm ist nicht an einer materiellen erweiterung auf kosten anderer gelegen (auch besäße er gar nicht die mittel dazu, selbst wenn er einmal auf den rauschhaften gedanken käme), dafür jedoch an einem geistigen wachstum, das tatsächlich einem baum gleicht, der jeden neuen tag mit einem anderen witterungslicht zu tun hat und sich gerade in der auseinandersetzung und im austausch mit seiner umwelt wohlfühlt.

ergo wird der 'großraumbesitzer' zum 'großflächenbesitzer', ein gefangener seines eigenen zweidimensionalen denkens, während der 'kleinraumbesitzer' eine dimension nach der anderen, durchreisend, erlebt. ich träume, also bin ich. mein raum als herberge meines traums, den ich nach außen trage auf die mir gemäße art der betätigung, die zu finden das bedürfnis und das recht eines jeden menschen ist.

(7. Juni 2020)

~*~

(t)raumreisen
 
und weil liebe
das höchstmögliche maß ist
an aufmerksamkeit und zärtlichkeit
gibt es einen menschen im himmel
und einen auf der erde
der auch unsere vergessenen räume
erhellt
ist freundschaft ein boot
für all jene mit denen wir im einklang
sind
und liebe die hand
die es trägt

~*~



~*~

das ende der sprache

wenn die realität der peiniger den einzelnen an die grenze seiner sprache drängt, tut sich ein abgrund auf, der absolut ist: er verschluckt die letzte möglichkeit des individuums, sich selbst zu spiegeln und damit als wirklich zu begreifen, entreißt ihm selbst sein spiegelbild.



es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.
Es ist Zeit.

Paul Celan

~*~

das ende der sprache II

sich zu gewöhnen an das wort
das entzweit statt versöhnt
an den gedanken der täuscht
an die tat die verhöhnt
an den schrecken der keine warnung 
mehr ist an die gleichgültigkeit die alles
vergisst was bewegung braucht
um zu bewegen

~*~

der fährmann 

sobald das wasser dich
trägt schau nicht
zurück



die kleine chinesische schneiderin

du 
blühst nur dort
wo du willkommen
bist

~*~

frühsommerlicht

eine brütende taube
unterm rosmarinstrauch
besänftigt den tag u das
denken ganz leise gehst
du umher die hände
andächtig der heimliche
blick wird immer
belohnt

bauern der region (frühsommerlicht II)

kornblumengesprenkelter
weizen lupinenfelder fruchtfolge
statt diktatur des maises
lerchenstreifen sollschutz: 
der einsichtige bauer
versteht dass subventionen
gelebt werden müssen

sein nachbar hingegen beharrt:
NUR EIN TOTER BODEN
IST EIN GUTER BODEN
ICH BIN DER MÖRDER
DER REGION

konnotationen

was hat aufdringlichkeit
mit erotik
was hat erniedrigung
mit respekt
was hat ausbeutung
mit verantwortung
zu tun?

~*~



~*~

wasser u stein

das problem sind die bilder in den köpfen der menschen, die nie gespiegelt wurden u daher steinern sind. aus steinernen bildern werden steinerne taten. es bedarf einer schulung, die flexibilität trainiert, geistige flexibilität, die ein spezifisches, situationsabhängiges denken fördert: improvisieren statt pauschalisieren. 

~*~

wasser u stein II

als ich mich vor etwa drei jahren dazu entschloss, die menschen zu verlassen, die mir nicht wohltaten, war mir bewusst, dass ich mit diesem schritt eine einsamkeit wählte, die ich gleichermaßen fürchtete wie ersehnte. schon lange ersehnte um der stille wegen, die dann um mich sein u mir erlauben würde, endlich vollständig einzutauchen in die geistigen welten, die mich lockten. doch würde damit ein verlust einhergehen? würde ich den bezug zur realität verlieren? das erfreuliche gegenteil ist eingetreten: meine geistige welt findet ihren widerhall in der realen welt, u das auch auf eine (finanzielle) weise, die mich mehr als nur ernährt. auch verfüge ich nun über weitaus mehr energie als früher, weil ich mich fernzuhalten verstehe von den alten mustern, bzw. strategien entwickelt habe, die mir dabei helfen, meine grenzen zu schützen.

leidensdruck als treibende kraft

in einer verhaltenstherapie während meiner halle/saale-zeit hatte ich von der widerstandskraft erfahren, die alte verhaltensmuster entwickeln, sobald man sich daranwagt, sie zu sprengen. jeder erfolg zieht eine rache des unterbewusstseins, das in den gewohnten strukturen verharren möchte, nach sich. albträume in bislang ungekannten ausmaßen können die folge sein. die psychotherapeutin hilft, auf dem weg zu bleiben u diese unterbewussten trotzreaktionen auszuhalten. es bleibt ein mühsamer weg, die erkenntnis, dass er ins ungewisse führt, macht es nicht einfacher. doch der leidensdruck ist groß genug. alles ist besser als der gegenwärtige zustand. u tatsächlich: eine belohnung schon in halle war die linderung psychosomatischer beschwerden wie atemnot u panikattacken, typische warnsignale des körpers, wenn die seele erdrückt zu werden droht von all den 'kummersteinen', die man im laufe seines lebens sammelt u als gegeben hinnimmt. eine weitere belohnung war die bestätigung meiner person, die ein recht auf bedürfnisse u selbstbestimmung hat wie jeder andere mensch auch, sowie die spontane reaktion der therapeutin auf meine 'kummersteine': «was für eine scheiße.» dieser satz bedeutete mir viel, hatte ich doch in der vergangenheit nur verharmlosungen erfahren für etwas, das mir die luft abschnürte.

vor drei jahren nun erkannte ich, dass es zeit wird, mal wieder in die tiefe zu gehen. diesmal im alleingang, denn die irre geschichte, die ich erlebt hatte, würde mir sowieso kein mensch glauben. das war überhaupt das gefährlichste an meiner irischen reise: über keinerlei netz zu verfügen u nicht einmal professionellen rat einholen zu können, ganz u gar allein zu sein mit diesem rucksack auf dem rücken, den ich nicht loslassen konnte u der gefüllt war mit mindestens drei 'kummersteinen', die da hießen: verwirrung (in die sich schon hass zu mischen begann); trauer um das, was fehlgeschlagen war; ein quälendes verantwortungsgefühl dritten gegenüber. hinzu kamen existenzielle herausforderungen auf der realen ebene, beruflich wie privat. oft hatte ich das gefühl, der vielfachen belastung u den anforderungen, die an mich gestellt wurden (u die an die rollen geknüpft waren, die ich übernommen hatte) nicht mehr standhalten zu können. 

(selbst-)kritisch reflektieren u konsequenzen ziehen

das erscheinen meines 2. kinderbuchs brachte mir erstaunlich schnell erleichterung, sah ich doch plötzlich ganz klar, wer nun einmal für mich da war u sich für mich freute. u wer nicht. das loslassen erfolgte schlag auf schlag, ein weiterer effekt, der sich einstellt beim aufbrechen alter strukturen: einmal konsequent in gang gesetzt, lässt er sich nicht mehr aufhalten, erschüttert das bestehende. zurück bleibt ein herrlicher steinhaufen.

herrlich, weil es nun an mir liegt, diese steine in die hand zu nehmen u neu zu verarbeiten. oder nicht. woher kommt dieser stein? hab ich ihn wirklich gewollt? mag ich ihn überhaupt? u welchen stein brauch ich tatsächlich? welcher ist mir unentbehrlich? fragen, die wehtun, wechseln mit fragen, die wohltun. doch nur eine aufmerksame untersuchung meiner lebenssteine ermöglicht den bau jenes lebensraums, auf den es mir ankommt, u der den traum hüten soll, der in mir heranwächst u nach entfaltung drängt. eine entfaltung, deren berechtigung u notwendigkeit auch dem unterbewusstsein klar sein muss! das ist die voraussetzung für wirkliches agieren, anstatt der vergangenheit verhaftet zu bleiben u immer wieder nur zu reagieren auf das, was schiefgelaufen ist, nicht da war usw.

u auch das wurde mir mehrfach prophezeit: dass der prozess des aufbrechens nach der ersten überforderung viele positive überraschungen mit sich bringt, die wahren höhenflügen gleichkommen, erkenntnisse, inspirationen, energien, die sich wohlfühlen im neuen lebensraum. u irgendwann, wenn heilung wirken kann, auch eine leichtigkeit.

(13Juni 2020)

~*~

tauche
hinab auf den
grund
deiner traurigkeit
dort
findest du die
freude

~*~

der mensch als gewohnheitstier

das gewohnheitstier mensch ist oft erst dann bereit, an sich zu arbeiten, wenn ihm etwas vertrautes abhandenkommt oder er etwas bedrohliches erfährt. der mann, dessen frau plötzlich verschwunden ist, steht fassungslos vor den trümmern seiner ehe, die doch alles in allem eine gute gewesen sei! «warum hast du denn nichts gesagt?», ist der standardsatz, der den vorwurf transportiert: «warum hast du nichts getan?» diese sichtweise kommt einer unverschämtheit gleich, der man nur entgegnen kann: «warum hast du nicht zugehört?» 

gemeinhin wird zuhören als etwas passives bewertet, das nicht so wichtig ist wie die tat. ein trugschluss, der eine bequemlichkeit offenbart, die in ihren realen auswirkungen oft einem fahrlässigen verhalten gleichkommt. zuhören ist etwas aktives, ein bewusstes u konzentriertes einlassen auf die lebenswirklichkeit des gegenübers. zuhören impliziert die bereitschaft, verantwortung zu übernehmen. (womöglich liegt in dieser verknüpfung jene abschreckende wirkung, die viele menschen dazu bringt, lieber wegzuhören ...)

menschen, die ein erfolgreiches leben ausschließlich mit materiellem wohlstand gleichsetzen, werden ideelle werte nur schwer als ebenbürtig akzeptieren u geben einer leere den vorzug, die sie mit materiellen dingen füllen zu können glauben. schon kinder erleben großzügige geschenke als fad, wenn sie dafür auf die aufmerksamkeit des elternteils verzichten müssen, es wird zum bloßen ding, dem trostlosigkeit anhaftet.

der mensch als berechnendes gewohnheitstier

eine steigerung dieses 'missverständnisses' - das keines ist, weil es dem ressentiment entspringt, das geld stehe über der menschlichen würde, der mann über der frau, der weiße mensch über dem schwarzen menschen etc. - ist die zementierte erwartungshaltung, der benachteiligte sei verantwortlich, das 'missverständnis' zu klären. das opfer soll dem täter verständlich machen, wie um alles in der welt es dazu kommen konnte, was nun missbrauch genannt wird, rassismus, sexismus etc. man lasse sich dieses bild einmal auf der zunge zergehen: dem opfer wird abverlangt, sich für die erlittene gewalt vor dem täter auch noch zu rechtfertigen! missbrauch als endlosschleife, der wie zu entkommen ist?

ganz einfach: indem man ausspuckt u geht.

denn solche menschen wissen ganz genau um das mitteilungsbedürfnis des opfers, das sprechen muss um seiner identität u würde willen. eine würde, die verletzt wurde, muss neu aufgebaut werden, muss getragen werden mit einer kraft, zu der ich mich durchringe, die ich aufbringe, weil ich auch weiterhin teilhaben möchte am leben. es ist ein therapeutischer prozess, der gestützt wird von menschen, die wissen, worum es geht, die wissen, wie zerbrechlich die würde ist u wieviel mut u kraft es braucht, wieder aufzustehen und einen weg zu gestalten, der die opferrolle überwindet.

ein zelebrierter missbrauch

wie gesagt: viele täter wissen darum. u spielen damit, ganz kalt u berechnend. es ist ein vorsätzliches verhalten, das den missbrauch regelrecht zelebriert u selbst in der aufarbeitung demütigt mit einer selbstinszenierung des täters als 'dummen jungen', über dessen 'dumme-jungen-streiche' man doch bitte endlich lachen soll. vorzugsweise genauso herzhaft wie man gelacht hatte, als die schlinge um den hals des opfers mit kalkül immer weiter zugezogen, persönliche informationen zur leidensgeschichte öffentlich ausgeschlachtet u verhöhnend karikiert worden waren, wohlwissend um den psychischen druck, dem das opfer ausgesetzt gewesen war u den man (ganz bewusst!) immer weiter erhöht hatte. ein mensch arbeitet im alleingang seine missbrauchsgeschichte auf. und wird öffentlich verspottet u verhöhnt. wirklich ganz großes kino.

ich betone erneut: ich spreche hier zu gleichgesinnten. die, die mich peinigten, würde ich mit juristischer hilfe zur verantwortung ziehen, wenn ich könnte.

(14Juni 2020)

~*~

LIEBE IST LEBEN


B L U E


DAS NICHT STIRBT

~*~





~*~



elderflower syrup (frühsommerlicht III)

holunderblütenwolken
mit weicher hand
in die landschaft
getupft

~*~




~*~


Dir auch noch ein schönes LebenIngo!

~*~



¦the garden¦

a garden is a mirror
of its owner's soul

a magical garden
doesn't need fences
it just disappears
when being entered
by the wrong ones

¦lullaby¦

so while the rain
is falling
take a seat and
listen



treasures

a strange girl's treasures
are often brought
by a postwoman who
lost her smile.
blue hugs & blue
kisses flowing out 
of envelopes:
'I was frightened of
dandelions as a child.'

Derek Jarman

the garden II

my golden land of hope
once was a desert:
sand and stone and angry winds.
look around now with your loving mind:
this is my paradise.



country girl

the vision she had
of a true & simple life
seemed so unreachable in reality
but here it is:
in her very own garden.



~*~

¦the entrance¦





~*~

a young warrior at night

maybe fortune is
a question waiting
for us to answer
but for some reason
we don't

(that's the hour
of the fox)

~*~

Was weiß der von Würde,
dem sie nie genommen wurde?

- So etwas fragt man nicht.

~*~



JOANNA (LULLABY II)

~*~

the green mill

they meet here
to remember the
forgotten



~*~

RUINS

CAN YOU IMAGINE
TO LIVE IN A RUIN?
NO ROOF
NO WINDOWS
NO DOOR
JUST HOLES
EVERYWHERE

CAN YOU IMAGINE
TO GROW UP WITH RUINS?
(ONE IS YOUR MA
ONE IS YOUR PA)
NO LOVE
NO WARMTH
NO TRUTH
JUST HOLES
EVERYWHERE

CAN YOU IMAGINE
TO FEEL LIKE A RUIN?
NO FAITH
NO WORTH
NO CHOICE
JUST HOLES
EVERYWHERE

CAN YOU IMAGINE
TO LIVE LIKE THIS?
NO YOU CAN'T
THAT'S WHY IT'S EASY
TO HATE YOU



VIP (RUINS  II)


NEHMEN KÖNNT IHR
GAFFEN
STEHLEN
GEBEN KÖNNT IHR
NICHTS

~*~



HIDE BEHIND
MY CURTAIN

~*~




~*~



~*~



if I could
I would make you see
this green moment
when silent water
starts to move like
a memory of moss
after rain

~*~

Opfer und Täter

Der Mensch hat eine Verantwortung, immer. Dafür zu sorgen, kein Opfer (mehr) zu sein. Und kein Täter zu werden.

Eine persönliche Erfahrung, sei sie leidvoll oder freudvoll, darf nicht zum Privileg werden dahingehend, dass andere Menschen, die diese Erfahrung nicht teilen, kategorisiert werden, hierarchisiert etc. Dies käme einem Ausschluss gleich und damit einem Ende des Dialogs zwischen bereitwilligen Menschen. Solche, die sich wiederholt als nicht bereitwillig erweisen, müssen hingegen ausgeschlossen werden, jedoch nicht, indem man sie angreift und verletzt (und damit selbst zum Täter wird), sondern indem man klar die Grenzen aufzeigt und sich dann abwendet.

Eine persönliche leidvolle Erfahrung ist eine erweiterte Perspektive von unten, als Opfer, auf die man gerne verzichtet hätte, die jedoch produktiv bearbeitet werden kann, und zwar als Warnung für die Bereitwilligen, eine Art präventive Schulung: wie kann es dazu kommen, in welche Fallen kann ich tappen, wie fühlt sich das an. Wir sind alle potentielle Opfer. Wir sind alle potentielle Täter. (Das glaubst du nicht? Dann bist du nur noch nicht in die Situation gekommen. Das ist meine persönliche Meinung, die sich aus meinen persönlichen Erfahrungen entwickelt hat.) Ich spiegele also auch den potentiellen Täter in mir und in dir, wenn ich von diesen Erfahrungen erzähle: Das tust du dem Menschen an mit solch einem Verhalten, ist dir das klar, willst du das wirklich?

Gleichzeitig muss man sagen, dass diese aufzubringende Stärke des einstigen Opfers sich als etwas anfühlen kann, das unerträglich (und damit eigentlich nicht zumutbar) ist. Und trotzdem aufgebracht werden muss, solange die Möglichkeit da ist, es besser machen zu können. Denn sonst hat die Zerstörung gewonnen und das kann man nicht wollen, das fühlt sich nicht richtig an, das missfällt auch dem natürlichen Wachstumsbedürfnis. 

Aber Spaß macht es nicht, die Scheiße loszuwerden, die irgendwelche machtgeilen Krachlatten auf einem ausgeschüttet haben. Und ich verstehe jeden, der sagt: Mir reicht's, ich kann nicht mehr, ich hau ab ins Paradies. Und meine Trauer und meine Wut haben mit dem Moment zu tun, in dem eine Seele zerspringt und erkennt: Ich bin kaputt, das lässt sich nicht mehr reparieren. Und dieser Moment hätte oft vermieden werden können. Aber das raffen die Krachlatten nicht. Weil sie es nicht raffen müssen in ihrem idiotensicheren Schlaraffenland, wo für jedes Problem eine Lösung gekauft werden kann oder irgendein Quatsch, der vom Problem ablenkt. Wie (seelisch und charakterlich) arm muss ein Mensch sein, der es gewohnt ist, im Rampenlicht zu stehen, der Geld hat, Familie, Freunde, Erfolg - und es nicht erträgt, wenn einem Menschen (dessen Lebenswirklichkeit das Gegenteil ist und der auf der realen Ebene 'nur' sich selbst hat) geschwisterliche Liebe von Gleichgesinnten entgegengebracht wird. Wie arm müsst ihr sein? Diese Frage drängt sich mir auf, wenn ich zurückblicke und irgendwas zu begreifen versuche von dieser irren Geschichte, die ich nicht verlassen werde als ein hassender Mensch. Darum dieser Werkraum.

(27. Juni 2020)

~*~



~*~




flora fauna

· eine hysterische waldspitzmaus
· ein schwarm stattlicher forellen
· der obligatorische eisvogelblitz
· 4 blaubeeren
· 2 türkentaubenküken im blumenkasten
· ein grüßender storch

~*~



Aus dem Home Office


Ich grüße die KSK und die VG WORT!
Schön, dass es euch gibt.

~*~

recherchen

jedem unglück 
geht eine lüge
voraus

wie heißt
deine?

~*~

Way to Blue

Don't you have a word
to show what may be done?
Have you never heard a way
to find the sun?
Tell me all that you may know
Show me what you have to show
Won't you come and say
if you know the way to blue?

Nick Drake

~*~

twin ghosts

in times
when water is pale
I try to forget myself
and laugh with the dolphins

- but water can't be pale

it is
your sadness that makes
my water pale

- i will show you
irish water next year

~*~

im dickicht

die wege der maus
sind unergründlich

im dickicht II

it's not always easy
to be a twin ghost

~*~





~*~

Guten Tag, Frau Schulz!

Sie niesen so enthusiastisch.

~*~

all die guten menschen

so wie der provinzielle flächenbesitzer sich über seine grenzen definiert, die ihm allmacht verleihen u über das niedere volk der kleinraumbesitzer erheben, so verteidigt der autokratische großflächenbesitzer seine grenzen. unterstützt, vielmehr getragen wird er dabei von seinen lakaien, allesamt großflächenanbeter bis in den letzten schlupfwinkel ihrer verkümmerten seelen. humanität als etikett, als anstecknadel, als manschette, die nach dem bankett wieder im schmuckkästchen verschwindet. die psychologischen strukturen sind immer die gleichen, in der provinz wie in der metropole. man muss nicht um die welt reisen, um das zu begreifen. auch auf dem dorf lädt das ewiggleiche kasperletheater zur gratisvorstellung ein. 

..fortsetzung folgt..




~*~