Mara Schindler
unknown artist

lyrics



ANOTHER SUN

 


snowcap | bienenelfe sonnennymphe schattenkolibri
breitschwinge amethyststern schmetterlingselfe
smaragdkolibri violettscheitel schwertschnabel
veilchenohr himmelssylphe grünmusketier



Aus dem Skizzenbuch: circles



n o v e m b e r  ·  eine improvisation



aodhán

nehm ich deine nacht mit hinüber in meinen tag, 
beginnen die stunden zu wispern im milchlicht 
erkenne ich farben, die ein november gibt: 
in allem ein erdiger ton
ein dunkles pastell
das von der wärme erzählt
die es in sich trägt

so möchte ich sein
das möchte ich können 
novemberlicht










kingfisher 

the lake is wearing a skin tonight,
made of frozen water.
there is a sister behind me,
a shadow child.
her colour is emerald green -
and her heart is a bride.

 


jimmy

i remember the doves. i remember their cooing,
their gentle calm widening my mind.
they never came back to my rosemary place, did i tell you?
it was the year when the crane sang goodbye and don't cry.
it was the year when i learned about flying and dying -
and both at the same time.
 



unknown artist 

take my road and touch my shoulder with intent.
trust my will to catch your leaves of autumn.
is it joy or is it painful laughter,
is it recognition, is it something new?
 




GOOD MORNING, DJAMILA. IT'S A NEW DAY 
(Bildende Kunst 2, 40 x 20 cm, Fineliner auf Papier)




ragtime | die narben auf meinen gedanken entstanden
bei dem versuch, mich zu befreien, mein freund.
der versuch ist geglückt. ich sammle beeren vom weiß
dornstrauch u mache likör daraus für das elternherz.
ich schwitze die heuchler aus, die ermahnungen, die
meine krankheit sind. ich finde die liebe wieder, die
sich versteckte. ich steige den senfberg hinauf u bau
mir ein nest im sonnenfleck. der kondor zeigt sich,
begleitet von raben. einer wischt mir mit seinem flügel
die scham vom gesicht, den glühenden abdruck einer
schamlosen hand. der fluss führt immer zum meer.







Just because you've lost your dream, you want to kill mine? 
(Bildende Kunst 1, 40 x 20 cm, Fineliner auf Papier)





knight of the road | sich selbst nicht so ernst nehmen.
u die anderen auch nicht. könnte ein anfang sein. ich
kram meinen block hervor u fange das ein: schroffheit
trifft glanz. auf welligen landstraßen find ich das glück,
ein bewegtes bild, ich ein teil davon: grüngelb u ziegelrot,
verschwommene wasserfarben, in die wie ein messer 
die herbstsonne sticht. warum hier? warum jetzt dieses
glück? weil alles eins ist. u weil ich es sehen kann:
irgendwer feiert das sterbende leben.






Oktober ⎮ Eine Trilogie von Mara Schindler

1 | Mücken-Tim
2 | Picassos Katze
3 | Mo, Lukas und die Anderen





oktober | mein zug wartet schon. bald spring ich.
ich bin eine bringerin: sonne u sturm. ahornblatt
über dem augenlid, zeichne wer kann. ich singe:
dunkeltönend mein wort. wer tanzt die helleren
töne? |
stand up for your goddamn rights, djamila







Aus dem Skizzenbuch: another sun

Aus dem Skizzenbuch: für ulrike

Aus dem Skizzenbuch: im schattenwald
Aus dem Skizzenbuch: libellentag II


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Vom Tiefseetauchen und Momentesammeln
►Reimebauerin Mara Schindler im Porträt

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     Blue Bottle Fish      
       
            
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Aus dem Skizzenbuch: trifles
Aus dem Skizzenbuch: voices






GOSSIP? BLUES.
Über Missbrauch schreiben? Wie denn? Und warum?
Zum Entstehungsprozess (m)eines Lyrikprojekts 





DIE KONDORVILLA
Ein Hörstück von Mara Schindler

►Part One: In der Kistenstadt/ Malin in der Kiste
►Part Two: Eine Autorin ringt um Worte/ Malin träumt
►Part Three: In der Kondorvilla
►Part Four: Kämpfe. Erwachen I
►Part Five: Erwachen II





Ein Hörbild von Mara Schindler
►Mivan an Paula (SOS)






Aus dem Skizzenbuch: schubladenblues
Aus dem Skizzenbuch: der seltene vogel

Aus dem Skizzenbuch: schwalbenwinter






~ Von blauen Taten und weißen Nächten ~
►Die Kondorvilla. Ein Werkraumporträt #1
►Die Kondorvilla. Ein Werkraumporträt #2





Vielen Dank! Ich freue mich sehr.





Zug fährt aaab!
►Eine Hoppelstein-Lesung





THE YELLOW PAMPHLET oder: God save my fantasy 
►Ein Feature von Mara Schindler





  

Mein Märchen-Roman "Mona aus dem Wald" für Leser*innen ab 12 Jahren ist 2019 erschienen bei Shaker Media und kann im Bookshop bestellt werden.

prolog | das haus des schäfers lag einsam auf der lichtung am birkengrund. im fahlen licht des herbstmondes sah es wie ein morscher pilz aus, wenig einladend für den wanderer, der gerade den westhügel erreicht hatte und einen forschenden blick über das land tat, ob nicht irgendwo ein lichtschein kühles bier versprach. doch alles blieb dunkel, nur die sterne spiegelten sich im nahen weiher, aus dem plötzlich der zittrige ruf von unken drang. der wanderer lauschte eine weile dem dumpfen seufzen, er lauschte noch länger, auf täuschung hoffend, doch es blieb ein und dasselbe lied. „ist dies also das tal der klagenden“, sprach da der wanderer, und wehmut schwang in seiner stimme, als er gewahr wurde, dass seine reise zu ende war. lange stand er da und sah die letzten jahre an sich vorüberziehen wie forellen auf tiefem grund. er vernahm auch die worte der weisen frau, als hörte er sie zum ersten mal, und ihre stimme war eine sanfte ermahnung. da senkte der wanderer den kopf, um seine sinne zu sammeln. und als er wieder aufblickte, waren die unken verstummt und der weiher so schwarz wie ein rabenkopf.

about | es wird viel gelaufen in diesem märchen, in endlos vielen schritten, die nirgendwohin zu führen scheinen. die schäferstochter mona, der waisenjunge sascha u die königskinder karim u karina, die gelernt haben, ohne eltern zu leben - sie alle eint der drang, die als unzuverlässig empfundene vergangenheit gegen etwas verlässliches einzutauschen. manchmal finden sie es in der gemeinschaft, im du, im wir. doch der mangel an erfahrung lässt sie in so manche falle tappen, zeigt ihnen schmerzhaft, wie zerbrechlich freundschaft u vertrauen sind ... als ich dieses buch für den druck vorbereitete, bemerkte ich nicht, dass die seitenzahlen angeschnitten waren. man wies mich darauf hin, doch ich hatte angst, beim nochmaligen überarbeiten der datei einen anderen fehler zu machen, u beließ es dabei. dieser fehler symbolisiert für mich den schmerz, den meine figuren mit jedem schritt erleben müssen. sie wissen so wenig über die welt u die menschen u sind leichte beute für den harlekin, der das spiel braucht, die manipulation, um sich lebendig zu fühlen.





betting shop 

who's afraid of a child?
a game for the rich and established:
call it kid, call it whore,
call it muse, ask for more.
forget your hardworking brain,
enjoy inconsequential pain.
that's what it looks like on the top:
who dares to stop
betrays the mob.
esteem your job!



S T A T E M E N T

D I E A R T W I E
S I E E N E R G I
E E R Z E U G E N
Ü B E R Z E U G T
M I C H N I C H T




ja, florian,
trau dich, komm lang,
lass uns reden über den tod.






  

Mein Jugendbuch "Als man Huck Finn in saubere Kleider steckte, verlor er die Freude am Leben" ist 2019 erschienen bei Shaker Media und kann im Bookshop bestellt werden.

paula | ich vergrabe die hände in den taschen und mach auf opfer, damit ich keinen mehr retten muss. ein paar schnapszombies hätten es nötig. „he, oma“, brüllt mir einer nach. „he, oma, ich rede mit dir!“ ich stelle auf durchzug und taste nach dem messer in meiner jackentasche. wenn der mich noch einmal anrülpst, zerschneid ich ihm die fresse. ich sehe ihn vor mir: die augen aufgerissen, die oberlippe ein klaffendes dreieck. hasenscharte nennt man das. nicht angeboren, sondern nachträglich. ohne das messer geh ich in nächten wie diesen nie aus dem haus. es ist klein, hat einen mahagonifarbenen holzgriff und ist stumpf wie bohne. je stumpfer die klinge, desto zackiger die scharte. altes naturgesetz. so ein messer kann leben retten. oder die ehre. ich wünschte, es wär ein geschenk von papa. dabei ist es von aldi. aldi kleidet mich auch ein, ohne dass ich mich schämen muss. ich heul gar nicht, du, was redest du denn, lass mich lieber reden und beschränk dich aufs zuhören, ja? schließlich bin ich es, die hier durch den morgen latscht und mit oma beschimpft wird. dabei sehe ich gut aus, ich bin richtig hübsch, hab dunkelblondes haar mit wellen drin, für die andere sonstwas ausgeben würden. wenn es nieselt, so wie jetzt, werden das richtige locken.

about | wie über eine wut schreiben, die einen zu verbrennen droht? hervorgerufen durch menschen, die ihre macht missbrauchen? in diesem buch habe ich ein experiment gewagt: würde ich es schaffen, meine innere seelische verwüstung, die durch eine verhängnisvolle begegnung mit einem irischen musiker verursacht worden war, adäquat zum ausdruck zu bringen, gäbe ich noch eine portion mut u zwei messerspitzen waghalsigkeit hinzu u machte ein buch daraus! auf dieses büchlein im smaragdgrünen gewand bin ich sehr stolz. denn ich habe darin einer ohnmacht raum gegeben, sich zu befreien, die eigentlich dazu bestimmt war, das grün eines menschen zu asche zu machen.




randnotiz | mir wurde bei vorstellungsgesprächen oft der vorwurf gemacht, dass meine grandeln nicht weiß genug seien u sich demnach in einem fragwürdigen zustand befinden müssten, was zweifellos auf meine noch fragwürdigere herkunft zurückzuführen sei usw. tatsächlich bin ich der albtraum eines jeden zahnarztes, da sich mit mir nichts verdienen lässt u ich bereits nach drei minuten wieder durch das wartezimmer schreite, vorbei an den ungläubigen blicken der patient*innen. ich verfüge über tadellose, naturgesunde beißerchen ohne das kleinste löchlein, obwohl ich bereits in großen schritten auf die 41 zugehe, was einer peniblen zahnpflege von kindesbeinen an zu verdanken ist, die selbst vor dem regelmäßigen gebrauch von zahnseide nicht zurückschreckt. auch hat mir mein zahnarzt bestätigt, dass jeder mensch seine eigene natürliche zahnfarbe hat, in meinem fall ein helles crème, mit dem ich durchaus zufrieden bin. der einzige makel an meinem gebiss ist der leicht verdrehte linke eckzahn (sehr schön sichtbar im bild oben). meine damalige kinderzahnärztin frau dr. zucker ging seinerzeit davon aus, dass er sich auch ohne zuhilfenahme äußerer hilfsmittel irgendwann von selbst in stellung bringen würde, was bislang jedoch nicht geschehen ist. diesem umstand nun verdanke ich mein leicht verwegenes aussehen, für das ich schon viel zuspruch erhalten habe.




  

"Seiltanzen", eine erweiterte Neuausgabe meines Erstlings "Susa", ist 2019 erschienen bei Shaker Media und kann im Bookshop bestellt werden.

susa | susa war ein liebes mädchen. sie folgte immer, klagte nie, trank stets ihre milch, ohne zu spucken. stritten die eltern, spielte sie leise mit ihrem hasen und tat, als hörte sie's nicht. denn sie folgte immer, klagte nie. die mutter war eine derbe person, knochig, ohne liebendes fleisch. abends cremte sie die rauen hände, den herben geruch des stalls zu überdecken, der blieb. sie lächelte selten, die mutter, und mit den jahren vertrocknete ihr mund, diese einst satten lippen, die den vater einmal hatten hinwegtrösten können über die dürfigkeit ihres körpers, die magerkeit ihres geistes. warum heiratet ein künstler auch eine bäuerin? wenn die mutter sich um fünf uhr in der frühe aus dem bette schwang, tat sie dies mit einer entschlossenheit, die ihn, dessen schlaf leicht war, schlagartig erwachen ließ, ihn mit einem zorn erfüllte, der sich zäh durch den tag zog und das nächtliche mahlen seiner backenzähne erklärte, ein geräusch, als reibe eine unsichtbare hand unaufhörlich zwei felsen aneinander. die mutter störte das nicht, ihr schlaf war traumlos und tief wie der ihrer lieblingskuh elsa, die erst durch das saugen der melkmaschine in die trostlose wirklichkeit des stalls geholt wurde. susa hingegen im nachbarzimmer ängstigte sich und fand keine ruhe, steckte die finger in die ohren und spähte bebend zur tür, den buhmann erwartend, der an der klinke spielt, bis sie sich schluchzend unter der bettdecke verbarg. am frühstückstisch drängte es sie, den eltern zu beichten. doch susa war ein liebes mädchen. sie trank ihre milch, ohne zu spucken, und fragte nicht.

about | meine erzählung susa war in mehr als einer hinsicht eine premiere für mich. es war der erste längere text, der von einem verlag angenommen wurde u ich wunderte mich sehr, dass es keine verbesserungsvorschläge gab. ich war immer davon ausgegangen, dass ein text zerpflückt wird, bevor es zur veröffentlichung kommt, u etwas enttäuscht, als das nicht geschah. dabei liebte ich den text so wie er war, hatte er mich doch erleben lassen, wie aufregend es sein kann, sich in einer figur zu verlieren, die man nicht kennt. ich habe eine figur erzählen wollen, die die sehnsucht verkörpert in all ihrer vagheit und widersprüchlichkeit, denn was ist sehnsucht? die sucht, sich zu sehnen, schrieb ich damals etwas pathetisch für den klappentext, sich aufzulösen über die eigenen grenzen hinweg u wiederzufinden in der seele des andern. ganz u gar. ausschließlich. oder so ähnlich. in jedem fall hat susa mich mitgerissen, auch in der sprache, die ich fand für sie u das umfeld, in dem sie aufwuchs. ich habe mich belesen über kuhhaltung u landwirtschaft u melken, denn das alles kannte ich nicht, wir hatten nur dackel u hühner, kein großvieh. (u kühe gehören zu den wenigen tieren, vor denen ich angst habe, weil ich sie nicht verstehe.) ich hatte auch freude, die eltern zu zeichnen, ich bemerkte da eine bissigkeit an mir, die mir neu war. vor allem aber hatte ich eine große sympathie für susa, u eine leserin hat mir gesagt, es sei schön zu sehen, mit welcher behutsamkeit ich dieses empfindsame mädchen durch die geschichte trage. da ist mir klargeworden, was ich schon gespürt hatte, nämlich dass man eine verantwortung für seine figuren hat u wie wichtig es ist, zurückzutreten, um ihnen zu lauschen, zu folgen, gerecht zu werden.


    
   

"Kinder entlarven oft. Sie stellen ihre Fragen ganz unbedarft und sie brauchen Anker. Aufrechte Menschen, die ihnen ganz praktisch zeigen, wie weit man gehen kann, wo die Grenzen sind, wann es Zeit ist, aufzuhören." Ich danke sehr herzlich Kristina Bernd und Kathrin Valtin, die mir die Möglichkeit gegeben haben, mich und das, was mich antreibt, in der aktuellen JuLit 3/18 vorzustellen.
  






Vor einigen Wochen besuchte uns die Schriftstellerin Ditte Clemens, deren Biografie über Ernst Barlachs Lebensgefährtin, "Marga Böhmer", zu meinen Schätzen gehört. Vielen Dank, liebe Frau Clemens, für dieses schöne Porträt, soeben erschienen im Regionalmagazin Mecklenburg Schwerin delüx!





Wie ich zum Schreiben fand:
►Ein Gespräch mit Christian Menzel





Wie lebt man ohne Eltern?
Krempe meldet sich zu Wort in einem Feature von Karin Hahn. Am 18. Februar um 16 Uhr 05 im Deutschlandfunk!





  

Mein zweites Kinderbuch "Krempe, Kottek und das Ding mit Misses Schulz" erscheint am 20. Januar 2017 im Rowohlt Verlag! Wieder bezaubernd bebildert von Dorothée Böhlke.
 




  

Mein erstes Kinderbuch "Freddi, Valle Müs und die Sache mit der Liebe" erscheint am 22. Januar 2016 im Rowohlt Verlag! Mit Illustrationen von Dorothée Böhlke.
     





"Dieses Geräusch, wenn etwas zerspringt und die Seele einen Riss bekommt, kennst du es?"
Im April 2013 erscheint mein Debüt "Susa" im Worthandel Verlag Dresden.