Mara Schindler
Tiefseetaucherin

makelhemd


M.

Grün ... Schon wieder.

Du möchtest also, dass ich was Grünes tu, wieder grün werde u über die Dinge streiche. Dabei ist ein Teil von mir in M. U dieser Teil sitzt fest. Er kann sich nicht bewegen. Er zersplittert das, was grün werden soll, in scharfkantige Scherben. Hier ist eine u etwas später am Tag find ich die nächste.
Ich werde mir einen Beutel nähen, damit meine Finger etwas zu tun haben, einen moosgrünen Beutel für meine Gedankenkraft.
Ich bin an diesen Ort gekommen, um zu gesunden u um ganz nah bei dir zu sein, aber das, was ich mitgebracht habe, scheint keine Krankheit zu sein, die sich heilen lässt.

Alles, was ich tun kann, ist, die Tür offen zu halten u mir erzählen zu lassen.


Die Tür

Es gibt eine Tür, durch die darfst du niemals gehen, hörst du? Wird der Sog zu stark, kauere dich neben sie, umfass deine Beine, verschränk deine Finger, gib ihnen Halt. Berühre die Klinke nicht!

Kennst du Barlachs Frau im Wind?

Geh, schau sie dir an.


Makelhemd

Ich laufe. Ich schwitze. Ich arbeite.
Ich sehe Gesichter aus der Ferne, sie wollen etwas von mir, doch sie geben mir nichts. Ist dies unser Krieg: dass sie mein Hiersein zu ihrem Erfolg machen. Dabei ist die Wahrheit doch eine ganz andere. Ich soll die Gesichter bestätigen mit dieser Geschichte, diesem Mantel, den sie über mich geworfen haben u den ich von mir werfe wieder u wieder, um zu enthüllen, was darunter ist: ein Mensch, der sich fürchtet. Der nicht versteht, was es mit diesem Mantel auf sich hat, der nicht einmal tut, was ein Mantel tun soll.
Darum laufe ich. Ich laufe, um nicht zu erfrieren in ihrem Makelhemd.